Pressecommuniqué

18. Plenum der D-F-CH Oberrheinkonferenz

Basel, 7. Juni 1999

Die Erarbeitung eines Raumordnerischen Orientierungsrahmens für den Oberrhein sowie eines gemeinsamen Konzeptes für den Kiesabbau, der Fremdsprachenunterricht an den Schulen im Oberrheingebiet, der neue Studiengang "Europalehramt" in Karlsruhe und Freiburg, der Ausbau des Schienenfern- und Nahverkehrs und die Weiterentwicklung der Oberrheinkooperation – diese Themen standen im Mittelpunkt des 18. Plenums der Deutsch-französisch-schweizerischen Oberrheinkonferenz. Rund 90 Verwaltungsbeamte, Fachleute und Politiker aus Frankreich, Deutschland und der Schweiz diskutierten im Kongresszentrum Messe Basel die Ergebnisse ihrer grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im vergangenen Halbjahr und Pläne für die Zukunft. Dr. Hans Martin Tschudi, Regierungspräsident von Basel-Stadt, leitete als amtierender Präsident der Oberrheinkonferenz die Sitzung.


Weiterentwicklung der Zusammenarbeit

Die Oberrheinkonferenz hat zahlreiche Massnahmen getroffen, um die Effizienz ihrer Organisation weiter zu steigern und die Umsetzung der grenzüberschreitenden Aufgaben noch intensiver voranzutreiben. Es wurde sichergestellt, dass die über dreissig Arbeitsgruppen und Expertenausschüsse der Konferenz ein auf Synergieeffekte zielendes, zukunftsorientiertes Gesamtarbeitsprogramm erhalten.


Gutachten "Raumordnerischer Orientierungsrahmen"

Von großer Bedeutung für die gesamte Region ist das Gutachten für einen "Raumordnerischen Orientierungsrahmen am Oberrhein", das auf der Konferenz vorgestellt wurde. In dieser Studie, die die Oberrheinkonferenz bei der Arbeitsgemeinschaft ECORHS, einer Projektgruppe deutscher, französischer und schweizerischer Planungsbüros in Auftrag gegeben hatte, wird vorgeschlagen, das Oberrheingebiet als "dezentrale Dreiländer-Metropole" zu entwickeln. Im Wettbewerb mit den großen europäischen Wirtschaftszentren könne der Oberrhein nach Ansicht der Gutachter nur mithalten, wenn nicht jede Kommune versuche, für sich allein zu wirtschaften. Vor allem die Orte, die nicht die Bedeutung eines regionalen Oberzentrums erreichen, sollten sich grenzüberschreitend vernetzen und wichtige Aufgaben sinnvoll untereinander aufteilen. Eine solche Arbeitsteilung könnte Kultureinrichtungen, Einkaufszentren und Ausbildungsstätten umfassen. Die Gutachter regen zudem an, gemeinsame, interkommunale Gewerbegebiete auszuweisen oder Forschung und Ausbildung in zukunftsträchtigen Branchen zu verknüpfen. Das Verkehrskonzept für ein solches oberrheinisches Städtenetz stellen sie unter das Motto "Innerhalb einer Stunde": In Zukunft sollen 60 Minuten ausreichen, um zu den regionalen Einrichtungen, eine halbe Stunde, um zu den lokalen Einrichtungen zu kommen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, müssten beispielsweise grenzüberschreitend Fahrpläne besser koordiniert werden. Auch an den Bau neuer Rheinquerungen für Fußgänger und Radfahrer wird gedacht. Das Gutachten richtet sich an Städte, Gemeinden und Gebietsköperschaften, ist aber auch für Wirtschaftsunternehmen und Verbände interessant. Die Oberrheinkonferenz wird es publizieren und dadurch eine breite Diskussion über Details der zukünftigen gemeinsamen Planung in Gang setzen. Besondere Bedeutung kommt hier dem
7. Dreiländerkongress zum Thema "Raumordnung am Oberrhein" zu, der am
26. November 1999 in Neustadt a.d.W. stattfindet.


Kartengrundlagen für den Oberrhein

Die Delegierten werden ausserdem die Erstellung grenzüberschreitender Karten vorantreiben. Auf digitaler Grundlage soll so die gemeinsame Planung erheblich erleichtert werden. Die vorhandenen Kartenwerke der drei Nachbarländer lassen sich bisher nicht zusammenfügen: Projektion, Symbole und Eintragungen sind verschieden.


Sand- und Kiesgewinnung

Die Sand- und Kiesgewinnung am Oberrhein hat konkrete Auswirkungen auf Wirtschaft und Umwelt. In vielen Gegenden wurden und werden diese Rohstoffe in den landschaftlich reizvollen und ökologisch sensiblen Rheinauen abgebaut. Doch gleich wo gegraben wird: Die Anlagen beeinflussen Landschaftsbild und Wasserhaushalt. Auf rund 7200 Hektar breiten sich Sand- und Kiesgruben im Mandatsgebiet der Konferenz aus. Die Region ist sowohl auf der deutschen wie auch auf der französischen Seite das wichtigste Kiesförderungsgebiet für das jeweilige Land. Deshalb scheint es der ORK notwendig, sich mit den unterschiedlichen Rechtsgrundlagen und Planungsansätzen der Nachbarländer zu befassen. Im Expertenbericht "Gewinnung von Sand und Kies im Oberrheinraum" werden sie aktuell und ausführlich dargestellt. Die Berichterstatter regen an, die Kiesförderung beiderseits des Rheins in Zukunft gemeinsam auf eine ausgewogene wirtschaftliche und umweltverträgliche Grundlage zu stellen. Die Delegierten beschlossen daher, die Arbeiten zum Thema fortzuführen.


Bahnprojekte am Oberrhein

ie Bahn am Oberrhein kommt in Fahrt. Mit Höchstgeschwindigkeit von Paris nach München und im Ausflugsverkehr zwischen Lauterbourg und Wörth (Pfalz): Nachdem Frankreich im Januar endgültig beschlossen hatte, den TGV Est Europe zu bauen, diskutierte die ORK über den Stand der Planungen für die Hochgeschwindigkeitstrassen zwischen Strasbourg und Paris, über den längst begonnenen vierspurigen Ausbau zwischen Karlsruhe und Basel sowie über das Projekt TGV Rhin-Rhône. Für die Strecke Paris-Strasbourg wird sich die Fahrzeit zunächst von 3 Stunden 50 Minuten auf 2 Stunden 19 Minuten reduzieren, für die Strecke Karlsruhe-Basel wird im Endausbau eine Fahrzeitreduzierung von heute 97 auf künftig 66 Minuten möglich sein. Die Oberrheinkonferenz weist darauf hin, daß, gemäß den Verträgen von La Rochelle, die Maßnahmen zur Verbesserung der Eisenbahnbrücke über den Rhein zwischen Strasbourg und Kehl für den gesamten Verkehr (Hochgeschwindigkeitszüge, Personenverkehr, Güterverkehr...), sowohl im Hinblick auf die Kapazität wie auch auf die Geschwindigkeit, eine Grundvoraussetzung für die geplante Einbindung des Oberrheins in das europäische Hochgeschwindigkeitsnetz der Eisenbahnen bildet. Die Oberrheinkonferenz stellt mit Zufriedenheit fest, daß die von der deutschen Seite vorgesehenen Arbeiten auf dem Streckenabschnitt zwischen Kehl und Appenweier so rechtzeitig abgeschlossen werden sollen, daß sie zeitlich mit der Inbetriebnahme des TGV-Est in Frankreich zusammenfallen. Seit Ende Mai 1999 verkehren auf der seit 1984 stillgelegten Strecke Lauterbourg-Wörth (Pfalz) wieder Personenzüge – wenn auch vorerst nur am Wochenende. Die Delegierten der Oberrheinkonferenz werden sich nachhaltig für den Einsatz weiterer Züge einsetzen, um das Angebot für die Bürger sinnvoll zu erweitern. Ausserdem soll ihrer Ansicht nach die bestehende Verbindung Strasbourg–Offenburg in Zukunft im Stundentakt betrieben werden. Dazu könnte der französische Streckenteil zusätzlich mit deutscher Zugsicherungstechnik ausgestattet werden.


Fremdsprache-unterricht

Im Elsass besuchen über 4.800 Kinder zwischen 3 und 11 Jahren Schulklassen, in denen je 13 Wochenstunden in deutscher und französischer Sprache und unterrichtet wird. Beim zweisprachigen Unterricht ist die Region Alsace damit Vorreiterin am Oberrhein. Das geht aus einer aktuellen Erhebung der Oberrheinkonferenz zum Fremdsprachenunterricht an den Schulen hervor. In der Nordwestschweiz fällt die starke Stellung des obligatorischen Französischunterrichts, das geringe Angebot an Frühfranzösisch und das Fehlen von bilingualem Unterricht auf. Das baden-württembergische Vorhaben, Fremdsprachenunterricht von 2001 an flächen-deckend in Grundschulen ab der ersten Klasse einzuführen, wird dieses Angebot ergänzen. Angesichts der Tatsache, dass sowohl Französisch als auch Englisch zur Wahl stehen werden, baten die Delegierten die Stuttgarter Landesregierung, insbesondere aber auch die Eltern, die französische Sprache zu favorisieren. Bisher bekommen drei Viertel der baden-württembergischen Grundschüler im Programm "Lerne die Sprache des Nachbarn" in der 3. Und 4. Grundschulklasse


Europalehrer

Genügend qualifizierte Lehrer für den erweiterten Fremdsprachenunterricht werden in Zukunft zur Verfügung stehen: Ab dem Wintersemester 1999/2000 bieten die Pädagogischen Hochschulen Freiburg und Karlsruhe einen neuen Studiengang für das "Europalehramt" an. Künftigen Grund- und Hauptschul- sowie Realschullehrern wird dann in 8 Semestern Sprach- und Unterrichtskompetenz in Französisch (oder Englisch) vermittelt. Studenten, die sich für Französisch entscheiden, sollen das Zertifikat "Euregio-Lehrer/Maître bilingue" erlangen können, das dann in allen drei Ländern anerkannt wird. Die Delegierten begrüssten diese Projekte und die Arbeit des ‘Kooperationsverbundes lehrerbildender Einrichtungen am Oberrhein’, der vor einem Jahr in Strasbourg auf Initiative der Oberrheinkonferenz gegründet worden war.


Grenzgänger

in der Schweiz Die Konferenz unterstützt die Bestrebungen der Nordwestschweizer Kantone, für die Grenzgänger in der Schweiz Erleichterungen bei gelegentlicher Arbeitstätigkeit ausserhalb der Grenzzone zu erwirken und diesbezüglich bei der nächsten Revision das schweizerische Grenzgänger-Statut dem Statut der Jahresaufenthalter anzupassen. Hiervon würden insbesondere Grenzgänger, die als Chauffeure, Aussendienstmitarbeiter oder in verwandten Berufen beschäftigt sind, profitieren.


Grenzüberschreitende Katastrophenhilfe

Künftig wird auch die im Bereich des grenzüberschreitenden Meldewesens bei Katastrophenfällen tätige BINAT/TRINAT-Gruppe dem Plenum der Oberrheinkonferenz regelmässig Bericht erstatten. Die Delegierten verabschiedeten ein Arbeitsprogramm, das jährliche Übungen, die Optimierung der Übertragungsverbindungen, gegenseitigen Informationsaustausch, Schulungen und die Institutionalisierung von Verbindungspersonen umfasst. 25 Jahre Bonner Abkommen Die Oberrheinkonferenz regte zudem an, das 25jährige Jubiläum des Bonner Abkommens im Oktober des Jahres 2000 im Rahmen eines gemeinsamen Festaktes gemeinsam mit der Deutsch-französisch-schweizerischen Regierungskommission zu begehen. Geplant ist in diesem Zusammenhang auch die Überarbeitung des Bonner Abkommens von 1975, das der Oberrheinkonferenz ihren instituionellen Rahmen gibt.


Aktuelles bis zur Sommerpause

In den nächsten Wochen und Monaten wird sich einiges tun:Am 12. Juni wird im Karlsruher Schloß die Einführung des Oberrheinischen Museumspasses stattfinden, der in 120 Museen am Oberrhein Gültigkeit hat. Am 15. Juni findet in Strasbourg der erste Oberrheinische Krankenhaustag statt, an dem 27 Krankenhäuser aus den drei Ländern über Möglichkeiten für eine bessere Zusammenarbeit diskutieren. Am 18. Juni wird in Strasbourg das Oberrhein-Schulbuch offiziell vorgestellt. Die 15 000 Exemplare werden Schülern und Lehrern an 3 000 Schulen im Oberrheingebiet kostenlos an die Hand gegeben.Die Durchführung eines internen Fachhearings zum Thema "Jugendgewaltprävention" ist für den Herbst dieses Jahres geplant.Am 23. September 1999 findet in Basel die dritte grenzüberschreitende Konferenz für Fachleute der Drogenprävention statt.


Neuer Präsident

Am Ende der Sitzung trat Philippe Marland, Präfekt der Region Alsace, sein Amt als neuer Präsident der Oberrheinkonferenz an. Er löst turnusgemäss den Regierungspräsidenten von Basel-Stadt, Dr. Hans Martin Tschudi, ab. – Das 19. Plenum der D-F-CH Oberrheinkonferenz tagt am 6. Dezember 1999 in Strasbourg.

Weitere Informationen: Gemeinsames Sekretariat der D-F-CH Oberrheinkonferenz
Rehfusplatz 11, D-77694 Kehl,
Telefon ++49 (0)7851 93 49 0, Telefax ++49 (0)7851 93 49 50
Internet: www.oberrheinkonferenz.org E-Mail: info@oberrheinkonferenz.org

 

 

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